Fake News im 18. Jahrhundert: Wie John Law ganz Frankreich in den Ruin trieb

 

Prompt:> A detailed 18th-century colored engraving depicting a propagandistic scene of the Mississippi Company. An idyllic, lush landscape featuring literal mountains of shimmering gold and silver in the background. In the foreground, European explorers in 18th-century attire are trading with indigenous people. The Europeans are offering a small bottle of liquor and a few shiny glass beads, while the indigenous people are handing over massive, gleaming lumps of raw gold. The art style is a historical, vintage European illustration, romanticized, with soft, faded watercolors typical of antique colonial engravings.

​Auf diese frühen „Fake News“ zur Ankurbelung des Aktienverkaufs stieß ich im 13. und letzten Buch des legendären Börsenspekulanten André Kostolany: „Die Kunst, über Geld nachzudenken“. Ab Seite 148 beschreibt Kostolany eine faszinierende historische Episode um den Regenten von Frankreich (den Onkel des minderjährigen Ludwig XV.) und den Schotten John Law, einen ebenso begnadeten Rechner wie Spieler.

Zwei Männer, ein Problem: Die leere Staatskasse

Der französische Regent saß auf einer gähnend leeren Staatskasse und wollte John Law unbedingt kennenlernen, in der Hoffnung, dass dieser Frankreich aus der finanziellen Misere helfen könne. Die Begegnung war ein voller Erfolg: Law wurde schließlich mit einem königlichen Erlass und der uneingeschränkten Vollmacht zur Emission von Schuldverschreibungen ausgestattet.

Die Geburt der Mississippi-Gesellschaft

Zunächst gründete Law die Nationalbank – die erste französische Bank im heutigen Sinne des Wortes. Wenig später rief er die Mississippi-Gesellschaft ins Leben. Ihr offizieller Zweck: die Kolonisation von Louisiana, lukrative Handelsgeschäfte und die Ausbeutung reicher Bodenschätze in der „Neuen Welt“.

​Law war zudem ein brillanter Psychologe. Er verstand es meisterhaft, die Gier potenzieller Investoren zu wecken – genau durch jene verheißungsvollen bildlichen Darstellungen und fantastischen Erzählungen von unermesslichem Reichtum, wie sie auf dem kolorierten Stich zu sehen sind. Breite Schichten der Bevölkerung zeichneten in der Folge gigantische Mengen an Wertpapieren. Dabei interessierten sich die Käufer kaum noch für reale Dividenden; ihr Blick war einzig auf die rasanten Kursgewinne der Hausse gerichtet. In der Spitze notierten die Aktien bei sagenhaften 18.000 Pfund – dem 36-Fachen ihres Nominalwertes!

Der unweigerliche Crash

Geblendet von der eigenen Gier rechnete niemand mehr nach, ob diese Gesellschaft überhaupt jemals echte Gewinne erwirtschaften oder Dividenden ausschütten würde. Doch als die Ersten misstrauisch wurden und begannen, ihre Aktien abzustoßen, purzelten die Kurse sofort. Law verlor die Kontrolle und konnte die aufkommende Panik nicht mehr aufhalten. Im Oktober 1720 stürzte der Kurs der Aktie dramatisch auf nur noch 40 Pfund ab.

„Law hat den Staat umgestülpt“

Der Philosoph Montesquieu schrieb damals schockiert über den Skandal:

„Alle, die vor sechs Wochen reich waren, sind heute arm. Law hat den Staat umgestülpt wie ein Kleiderhändler einen Mantel.“


​Eine Pariser Zeitung bedachte John Law nach dem Platzen der Blase sogar mit folgendem Spottgedicht:

„Hier ruht Schottlands berühmter Sohn,

Der rechnete ohnegleichen schon,

Und durch seine geniale Mathematik

Brach er Frankreich das Genick.“


​Law flüchtete aus Frankreich und starb 1729 in Venedig. Die Franzosen wiederum hatten für die nächsten 50 Jahre erst einmal gründlich genug von Aktien und jeglicher Spekulation.

Die bittere Ironie der Geschichte

Als mir die KI dieses Bild mit den „einfältigen“ Ureinwohnern erzeugte, fiel mir die ganze Ironie dieser Geschichte wie Schuppen von den Augen: Die elitären europäischen Investoren machten sich über die Ureinwohner Amerikas lustig, weil man diese angeblich so leicht mit einem Schluck Schnaps oder drei Glasperlen übers Ohr hauen konnte. Doch am Ende der Geschichte waren genau sie die Gelackmeierten – blindlings verführt durch bunte Bilder und den Traum vom mühelosen Reichtum.

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Die ausführliche Geschichte über John Law, die Mississippi-Blase und viele weitere scharfsinnige Beobachtungen über die Psychologie der Märkte und die Natur der Spekulanten findest du in André Kostolanys letztem Werk. Ein absoluter Klassiker, der auf unterhaltsame Weise zeigt, dass sich die Mechanismen der Gier in den letzten 300 Jahren kaum verändert haben.

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