14 März 2015

"Wir spielen Monopoly und ich übernehme die Bank"

Bild: Peter Benwar-Wagner
"Wir spielen Monopoly und ich mach die Bank" sagte ich. Meine jüngere Schwester und mein Kumpel waren dabei. Kurze Zeit später saßen drei Kinder an einem verregneten Nachmittag in einem Zimmer und würfelten, bewegten ihre Spielfiguren, das Schicksal traf sie mit Ereigniskarten oder Gemeinschaftskarten, man kam ins Gefängnis und ging über Los oder auch nicht. Naja, das gute alte Monopoly halt.
Dann passierte was immer passiert jemand geht Pleite - diesmal hatte es meine Schwester erwischt und mein Kumpel hätte ihr ganzes Spielgeld, die Straßen, Häuser und Bahnhöfe usw. bekommen. Aber ich hatte ja die Bank und ließ mir was einfallen.
"Du brauchst nicht aufgeben. Ich gebe dir Kredit und wir spielen weiter - ok?"
"Und wenn ich mal Geld brauche?" fragte mein Kumpel
"Bekommst du." sagte ich.
Meine Mitspieler akzeptierten und wir spielten Monopoly mit Kredit, so dass niemand mehr pleite gehen konnte - niemand außer die Bank. Mein Geldhaufen war gut angewachsen, aber mein Kumpel hatte Bündelweise Geld und meine Schwester kam gerade mal so über die Runden. Irgendwann waren alle Straßen bebaut und die Bank hatte keine Einnahmen mehr. Sie ging Pleite, weil meine Schwester die Schulden nicht bezahlen konnte.
"Die Bank braucht Einlagen und wir beide müssen sie bezahlen sagte ich zu meinem Kumpel"
"Wieso wir, die da hat die ganzen Schulden" Er zeigt auf meine kleine Schwester.
"Nein, sie muss nichts zahlen, denn dann ist sie aus dem Spiel. Du zahlst 200.000 und ich 100.000."
"Aber nur gegen Gutschrift." Beharrte mein Kumpel.
"Ok. Wir machen noch Sparkonten auf."
Plötzlich hatte ich eine echte Bank mit Sparkonten und Schuldenkonten. Meine Schwester machte die Schulden bei der Bank, bezahlte damit die Mieten vor allem an meinen Kumpel, weil der die meisten Straßen hatte und von ihm floss es auf ein Sparkonto bei der Bank, damit diese flüssig bleibt und meine Schwester sich im Spiel halten konnte. Irgendwann war auch ich nicht mehr zahlungsfähig und musste Schulden bei der Bank machen. Wir spielten tatsächlich so lange bis mein Freund nach Hause gehen musste. Er hinterließ ein Konto mit gigantischem Vermögen. Er hatte gewonnen und die Buchführung meiner kleinen Bank landete im Hausmüll.

Und was soll das ganze?

Bei diesem Spiel habe ich schon ziemlich früh gelernt wie eine Einkommens-Schere funktioniert - ohne den Begriff je gehört zu haben. Die weniger Vermögenden haben keine Chance. Sie werden alles an die Reichen verlieren. Es ist wie bei Highlander, es kann nur einen geben. Natürlich ist das Spiel Monopoly nur ein Modell, aber mehr haben echte Wirtschaftswissenschaftler auch nicht - nur kleine Modelle, die etwas protziger daherkommen als ein Monopoly-Spiel, aber am Ende die gleiche Erkenntnis liefern - sofern sie wirklichkeitsnah parametrisiert wurden.

Wie die Wirklichkeit aussieht...

... beschreibt Jakob Augstein in einer Kolumne auf Spiegel-Online. Banken und Investoren werden monatlich 60 Mrd. Euro von der EZB spendiert. Sie tut dies indem sie Anleihen (verbriefte Schulden) aufkauft. Eigentlich sollten reiche Investoren diese Papiere kaufen, aber die wollen nicht - jedenfalls nicht zu den Zinsen, die momentan gelten. 60 Mrd. gehen also von der EZB direkt in die Kassen der Banken und Investoren. Die kaufen tüchtig Aktien und Immobilien, das treibt die Aktienpreise, die Mieten und Häuser-Preise in die Höhe, während die Inflation, die mit dieser Politik beabsichtigt ist, die Sparkonten leer frisst. Ich nenne das Abzocke 2.0. Die kleinen Sparer geben ihre Kaufkraft bei den Großinvestoren ab und zahlen zudem über Jahrzehnte die angehäuften Staatsschulden zurück - es sei denn jemand gibt die Anleihe-Papiere, die sich bei der EZB ansammeln zum Altpapier.
Wenn das nicht geschieht, kann man heute schon jedem Kind das neu geboren wird, auf die Stirn schreiben, ob es lebenslänglich Staatsschulden abdrückt oder ob es vom Geldsegen profitiert, den seine Eltern mit Hilfe von Mario Draghi anhäufen konnten.
Ein wenig ist das so wie in alten absolutistischen Monarchien. Kinder werden in ein Schicksal hineingeboren, aus dem es kein Entkommen gibt.



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